Weshalb Videospiele Feminismus dringend nötig haben

Tomb Raider bot viel Stoff zur Diskussion

Tomb Raider bot viel Stoff zur Diskussion

Bei meinem letzten Blogeintrag habe ich bei meinem Vorschau auf 2014 einen Trend absichtlich ausgelassen: Die kritische Wende. Als kritische Wende bezeichne ich eine Entwicklung, die bereits seit einigen Jahren vorangeht und die sich anschickt, den Umgang mit Videospielen grundlegend zu verändern. Eine Strömung davon wäre die feministische Analyse von Videospielen, die vermutlich am gewichtigsten ausfallen könnte.

Mit Anita Sarkeesians Videoserie wurde eine breitere Diskussion losgetreten, die im Jahr 2013 vermerht auch bei anderen Spielkritikern wieder zu finden waren. Genderfixierte Diskussionen rund um Tomb Raider, Bioshock Infinite und Dragon’s Crown haben gezeigt, dass es durchaus gute Gründe gibt, interessante Titel eben auf diese Aspekte zu untersuchen. Doch eines der früheren Beispiele dürfte wohl Metroid: Other M sein, das von einigen Kritikern auch verrissen wurde, weil die Ikone des Feminismus in Videospielen dort so schlecht in der Darstellung davon kam.

Das Problem, das aktuell noch vorzufinden ist, scheint die Tatsache zu sein, dass grosse Teile der Videospielkultur noch nicht richtig wissen, wie sie mit dieser Welle an Kritik umgehen soll. Die brutalen, frauenfeindlichen Reaktionen die auf verschiedene Initiativen folgten, sprachen jedoch bände und die wohl unsinnigsten Argumente sind aufgekommen, weshalb Videospiele nicht aus einer feministischen Perspektive betrachtet werden sollen.

Es sind doch nur Videospiele!

Ja, und die Bibel ist nur ein Buch und Citizen Kane flackerndes Licht das auf ein weißes Tuch trifft. Aber ganz im Ernst, unsere Kunst wird das einzige sein, das unsere Nachfahren von uns haben werden und nach der sie uns beurteilen können. Wer Videospiele in dieser Hinsicht nicht ernst nehmen kann, kann eigentlich kein Medium jemals ernst nehmen.

Das wird Videospielen schaden!

Ein kritischer Umgang mit Medien hat noch so ziemlich niemandem geschadet, vor allem nicht den Medien selbst. Kritik stellt oft genug das Sprungbrett von Fortschritt dar.

Es wird der freien künstlerischen Kreativität schaden!

Das wage ich zu bezweifeln. Literatur und Film wurden aus so vielen verschiedenen Perspektiven analysiert und kritisiert (im englischen Sprachgebrauch wird diese Form der Besprechung “Literary criticism” genannt) und die jeweiligen Medien haben bisher nur davon profitiert. Je mehr Einblicke in die Funktionsweise von Medien erhalten werden, umso besser lassen sich anspruchsvollere Inhalte schaffen.

Es handelt sich alles um feministische Propaganda!

Yep, böse Feministinnen und Feministen wollen die Weltherrschaft an sich reißen, indem sie Videospiele analysieren.

Aber mal ganz im Ernst: Ein kritischer Umgang mit Feminismus ist gut und richtig. Aber wer hinter der feministischen Untersuchung von Videospielen allen Ernstes eine feministische Verschwörung schnupper, sollte sich ernsthaft fragen, ob er oder sie nicht einfach überreagiert. Feministische Kritik an Videospielen ist kein Generalangriff aus das Medium, sondern ein Vorschlag der Verbesserung. Es gibt keinen feministischen Todesstern!

Männer werden doch auch stereotypisiert, dann geht das doch in Ordnung, oder?

Das erste Problem des Argumentes besteht schon einmal darin, dass geglaubt wird, Feminismus kümmere sich nur um die stereotype Darstellung von Frauen – Was nicht der Fall ist. Das andere Problem ist, dass ein anderer Missstand nicht den besprochenen Missstand entschuldigen kann. Optimalerweise erfolgt die Genderkritik auf beiden (oder mehr) Ebenen, versucht also, alle Gender-Darstellungen zu untersuchen.

Andere Medien tuns doch auch!

Und werden genau so kritisiert. Nur wirkt der Umgang mit dieser Kritik bei weitem nicht so kindisch wie das bei Videospielen der Fall ist (wo wir schon bei der suche nach einzigartigen Faktoren der Diskussion sind…). Ganz abgesehen davon ist diese Relativierungstaktik reichlich irrsinnig, entschuldigt ein Missstand eines anderen, nicht relevanten Mediums, nicht den Missstand im besprochenen Medium.

Haben wir denn keine anderen Probleme?

Zu guter Letzt das flachste Gegenargument. Ich wiederhole den Punkt, den ich bei der Wiederlegung des vorigen Argumentes gemacht habe: Die Relativierung eines Standpunktes durch irrelevante Vergleiche ist reiner Unfug. Jede Diskussion eines Problems lässt sich durch den Hunger afrikanischer Kinder zu Tode relativieren. Damit lässt sich eine jede Diskussion gänzlich ausbremsen und einfrieren. Was wird mit dieser Taktik unter dem Strich erreicht? Nichts! Fortschritt wird es mit dieser Argumentation niemals geben.

3 thoughts on “Weshalb Videospiele Feminismus dringend nötig haben

  1. Pingback: Entdeckt im Netz – 19.01.2014 | Die Freiheitsliebe

  2. “Das erste Problem des Argumentes besteht schon einmal darin, dass geglaubt wird, Feminismus kümmere sich nur um die stereotype Darstellung von Frauen – Was nicht der Fall ist”

    Bwahahaha….danke für den Lacher.

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