Spiel der Geschlechter: Metroid

Metroid PAL

Copyright: Nintendo

„Spiel der Geschlechter“ ist eine Blog-Serie, die versucht, die Populärkultur aus Gender- und LGBT-Perspektive unter die Lupe zu nehmen.

Nintendo ist für die Wiederverwertung uralter Gender-Stereotypen in Videospielen bekannt. Was jedoch gleichzeitig vergessen wird, ist die Tatsache, dass das Urgestein der Industrie gleichzeitig eine der wichtigsten Ikonen der Videospielgeschichte geschaffen hat, die manch festgefrorene Gender-Konzeption aufzubrechen vermochte. Doch wie so oft, begann dies ursprünglich mit einem Film.

„Alien“ um genau zu sein. In einem Interview im “Retro Gamer”-Magazin erklärte Yoshio Sakamoto, der bis heute die Serie leitet, dass eben dieser Film einen enormen Einfluss auf die Serie gehabt hätte. Dies führte dann scheinbar dazu, dass eine Heldin anstelle des üblichen Heldens für diese Serie auserkoren wurde. Steven L. Kent bezeichnet Samus in seinem Werk „Ultimate History of Video Games“ nicht umsonst als eine der ersten Frauen in Videospielen, denn tatsächlich machte sich das weibliche Geschlecht zu jener Zeit noch sehr rar. Besonders, wenn es um die Rolle des Protagonisten ging.

Metroid beginning

Anno 1987 war dies also ein absolutes Novum und Nintendo entschloss sich dazu, das ganze etwas anders anzugehen. Dank des gigantischen Helmes und dem Weltraumanzug, konnte sich hinter dem Namen „Samus Aran“ alles möglich verstecken. Ein Mann, ein Roboter, ein Alien oder eben eine Frau. Die Tatsache, dass die meisten Spieler zu jener Zeit davon ausgingen, dass sich unter dem Helm ein Mann versteckt, sagt umso mehr über das Leitblid, das im Medium zu jener Zeit existierte, aus. Die Entscheidung, das ganze Spiel über optisch auf Gender-Neutralität zu zielen um am Ende zu zeigen, dass man eigentlich eine Frau war, ist eigentlich ein Geniestreich. Denn dadurch wurde unterstrichen, dass in diesem Science-Fiction-Universum das Geschlecht keine Rolle spielt. Vor allem dann nicht, wenn es galt, Weltraum-Piraten zu erledigen. Alleine.

 Metroid Bikini

Perfekt gelöst wurde die Angelegenheit leider nicht. Denn desto schneller und besser die Spieler wurden, desto mehr war von Samus am Ende auch zu sehen. Mit den besten Zeiten konnte man das Outfit auf ein Bikini reduzieren, was wiederum Samus als begehrenswertes Sex-Objekt darstellt. Natürlich ist das problematisch, weil objektivierend, aber unter dem Strich muss man Gunpei und Sakamoto anrechnen, dass sie mit ihrem eigentlichen Spieldesign einen Fortschritt erzielt haben, was Gender-Blockaden angeht. Die Frage, die sich anschließend aufwirft, ist natürlich die, weshalb diese Impulse nie dementsprechend in der Videospielindustrie aufgenommen wurden.

Der Grund dafür ist wahrscheinlich die kulturelle Relevanz von „Metroid“. Während der Erstling und vor allem „Super Metroid“ viel Aufmerksamkeit erhielten, kam es nicht zu dem Kultstatus, den die „Alien“-Serie erarbeiten konnte. Der damalige akademische Betrieb hatte zu dieser Zeit Videospiele nicht einmal ansatzweise im Blick und dementsprechend wurde das Spiel auch zu dieser Zeit nicht tiefgreifend analysiert. Der Erstling, und damit zum Teil auch die ganze Serie, sind zur Fußnote der Videospielgeschichte verkommen. Zwar gibt es eine sehr lebendige Fangemeinde und die einzelnen Spiele verkaufen sich alles andere als schlecht, doch es gibt einem zu denken, wenn „The Legend of Zelda“ zum 25. Geburtstag unzählige Huldigungen und viel Aufmerksamkeit bekommt, während der zeitgleiche 25. Geburtstag von „Metroid“ komplett von Nintendo und teilweise auch von den Medien, übersehen wird.

Doch die Serie lohnt sich, etwas genauer untersucht zu werden. Es wird also niemanden wesentlich überraschen, wenn sie immer wieder hier zu Gast sein wird.

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