Spiel der Geschlechter: Doom 3

doom3

„Spiel der Geschlechter“ ist eine Blog-Serie, die versucht, die Populärkultur aus Gender- und LGBT-Perspektive unter die Lupe zu nehmen.

Der Name „Doom“ trägt ein unglaubliches Gewicht in der Videospielindustrie. Der Siegeszug der 3D-Grafik wurde durch die ersten beiden Spiele der Serie losgetreten, während dem dritten Teil irgendwie weniger Liebe entgegen gebracht wurde. Für meinen Teil war meine erste Erfahrung mit der Serie eben auf diesen dritten Teil beschränkt, erst Jahre später kam ich dazu die beiden ersten Spiele zu spielen. Bereits vor Jahren war mir beim Spielen von Doom 3 etwas aufgefallen, und jetzt wo ich die BFG-Edition spiele, erinnerte ich mich wieder daran: Es gibt keine Frauen in Doom 3!

Gut, keine Frauen ist vielleicht übertrieben. Nach einiger Recherche musste ich herausfinden, dass es eine einzige Frau gibt, die man im Rahmen des Spieles antrifft. Theresa Chasar hat die Ehre, die einzige Frau im Universum von Doom 3 zu sein. Zumindest ist sie die einzige Frau, die man lebend auf der Mars Station antrifft, bis ihr Kopf von ihrem Körper abgetrennt wird und dieser als Gegner fungiert. Autsch!

Doch halt! Das ist noch nicht alles! Bei Doom 3 gibt es schließlich diese zahlreichen Mails, die man lesen kann, wenn man es zwischendurch satt hat, ängstlich im Dunkeln zu hocken. Darin finden die so geneigten Spieler heraus, dass sie, wie viele andere auf der Station, in der Forschung aktiv war. Außerdem scheint sie die einzige Frau auf der Station zu sein, was ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit der gesamten männlichen Besatzung einbringt, inklusive des Vorgesetzten, einbringt. Zum einem sind alle hochgradig hilfsbereit, während sie ständig versuchen ihr näher zu kommen.

Alle Bildrechte liegen bei Bethesda

Alle Bildrechte liegen bei Bethesda

Ohne übertreiben zu wollen, ist der Umgang von Doom 3 mit Frauen schlicht lächerlich. Nicht nur ist es hochgradig unwahrscheinlich, in einem gigantischen Forschungskomplex nur eine einzige Frau zu finden, sondern auch das typische „Frau am Arbeitsplatz als Störenfried“-Bild wirkt hochgradig anachronistisch. Die Frau wird hier, auf gleich mehreren Ebenen, zu einer absoluten Ausnahme erhoben und während ihre Kompetenz nicht in Frage gestellt wird, wird sie meistens nur aus einer strikt männlichen Perspektive, also als Objekt der Begierde, beschrieben. Als einziges Unterhaltungsthema mit einer ehemaligen Forscherin des Komplexes dienen Männer, womit die Figur zusätzlich Bechdel Test nicht schafft. (Für diejenigen die den Test nicht kennen, der Bechdel Test analysiert in Filmen den Dialog weiblicher Figuren um heraus zu finden, ob diese tatsächlich Frauen sind. Extrem vereinfacht wird nach Gesprächen zwischen zwei Frauen gesucht, die sich nicht um Männer drehen.)

Das macht Doom 3 nicht zu einem schlechten Spiel, aber ich denke, der Umgang mit den Geschlechtern ist ein Aspekt, den man bei der kritischen Auseinandersetzung definitiv nicht vernachlässigen sollte. Wahrscheinlich haben sich die Entwickler äußerst wenig Gedanken zu dem Thema gemacht.

2 thoughts on “Spiel der Geschlechter: Doom 3

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